Die Mission 39 Seelen

SCHLIMMER GEHT IMMER

oder

Warum wir gerade mit allen Kräften versuchen, 39 Hunde nach Deutschland zu vermitteln:

Luigina Campanaro vom italienischen Tierschutzverein Progetto Randagi betreut neben ihren eigenen Pflegehunden auch fast 200 Vierbeiner eines lokalen Tierheims. Dieses Tierheim nimmt alle Straßenhunde auf, die in den umliegenden Gemeinden eingefangen werden. Da die jeweiligen Gemeinden als Eigentümer der in ihrer Gemarkung gefundenen Straßenhunde gelten, bezahlen sie dem privaten Betreiber des Tierheims pro Hund und Tag einen bestimmten Versorgungssatz.

Allerdings sind die Hunde des Tierheims, das als ausgesprochen gute Einrichtung gilt, immer wieder von der Abschiebung in ein Horror-Canile bedroht. Horror Canili gelten besonders im wirtschaftlich schwachen Süditalien als neuer Geschäftszweig: Windige Unternehmerinnen und Unternehmer ziehen – meist in sehr entlegenen Gegenden – große Aufbewahrungskomplexe für Hunde hoch. Dann bieten sie den Gemeinden im Umkreis an, alle Streuner für einen relativ niedrigen Preis pro Hund und Tag dort aufzunehmen. Eine Vermittlung dieser Tiere ist natürlich nicht vorgesehen, denn je mehr Hunde im Canile sind, desto höher sind die Einnahmen für die Betreiber. Nur die Masse sichert hier den Verdienst.

Die Versorgung der Tiere in diesen Einrichtungen ist meist eindeutig tierschutzrelevant: Futter ist Mangelware, Hygiene kennt man nicht, Verletzungen und Krankheiten werden nicht behandelt, schwache, kleine, zu junge oder zu alte Hunde werden oft von Artgenossen, die unter den gegebenen Haltungsbedingungen durchdrehen, totgebissen. Der Stress, dem die Hunde in einem schlecht geführten Horror-Canile ausgesetzt sind, ist unvorstellbar. Der Tod, der für die Hunde die einzige Möglichkeit ist, der unfassbaren Qual zu entkommen, ist die letzte Gnade, die die armen Streuner noch zu erwarten haben. Sind Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz möglich? Meistens nicht, denn die Canili sind vor neugierigen Besuchern bestens geschützt, die Betreiber haben oft „gute Bekannte“ in den Gemeindeverwaltungen.

Bereits im Jahr 2024 halfen wir vom Netzwerk Mensch-Tier e.V. mit, 30 Hunde, die als unvermittelbar galten, vor ihrem sicheren Tod im Horror-Canile zu bewahren. Die zuständigen Gemeinden wollten durch Überführung der vierbeinigen „Ladenhüter“ vom regulären Tierheim ins Canile Geld sparen, denn in letzterem sind die Betreuungskosten pro Hund und Tag ein paar Cent billiger. 30 Leben konnten wir retten. Doch nun sind es sogar 39 Hunde, die eine Gemeinde aus Kostengründen bis Dezember 2025 ins Horror-Canile transferieren möchte. Im Idealfall suchen wir jetzt also dringend 39 Familien, die eines dieser Tiere bei sich aufnehmen und ihm statt einem qualvollen Ende ein Leben voller Liebe, Freude und schönen, gemeinsamen Momenten schenken wollen. Unter den 39 sind Junge und Alte, Große und Kleine, Laute und Leise, Ängstliche und Mutige.

Das Video soll einen Eindruck vom momentanen Alltag der Hunde in dem für seine ordnungsgemäße Hundehaltung und gute Versorgung bekannten Tierheim, in dem Luigina tätig ist, vermitteln. Wenn man die kargen Betonzwinger sieht - mit ihren nackten Abflussrohr-Segmenten, die den Hunden als Ruheplatz und Versteck dienen, wenn man den unbeschreiblichen Dauerlärm aus fast 200 Hundekehlen hört, wenn man beobachtet, mit welch verzweifelter Hingabe die meisten Hunde jeden Menschen begrüßen, der in ihre Nähe kommt, dann weiß man, dass man hier helfen sollte. Denn noch haben die 39 Rüden, Hündinnen und Junghunde eine Chance, adoptiert, geliebt und beachtet zu werden. Im Dezember, wenn man sie ins Horror-Canile überführt, ist ihr Schicksal besiegelt und ihr Leben wird noch schlimmer als es jetzt schon ist.

Das Tierheim soll übrigens ein Jahr später, also im Dezember 2026, komplett schließen. Wir setzen all unsere Möglichkeiten ein, um so viele Hunde wie möglich noch vorher dort herauszuholen.

Und ja, natürlich ist uns bewusst, dass dies alles Individual-Tierschutz ist, der keine Probleme in der Ursprungsregion dieser Hunde lösen kann. Deshalb arbeiten wir parallel im Sinne eines nachhaltigen Tierschutzes an der Situation vor Ort. Das bedeutet, dass wir so viele Kastrationen von Straßenhunden wie möglich unterstützen und mit Luigina und ihren Tierärztinnen und Tierärzten eng zusammenarbeiten. Denn nur durch flächendeckende Kastrationen kann das Elend der Streunerhunde minimiert und irgendwann vielleicht sogar komplett beseitigt werden.